Acht Kriterien für Seriosität in der Beratung

1. Wenn er/sie sich lange als Lernende/r versteht und verstanden hat.
Das umfasst (reflektierte) Ausbildungsjahre und die ersten Praxisjahre....etwa 7 Jahre.

2. Wenn er/sie ein diskutierbares Konzept vertritt,
d.h. in einer offenen Auseinandersetzung mit anderen "Schulen" und Konzepten (scientific community) steht. Das fehlt vor allem bei esoterisch beeinflussten Konzepten häufig, wenn die AnhängerInnen sich immer nur gegenseitig zitieren und bestätigen.

3. Wenn er/sie gesetzeskonform handelt.

4
. Wenn er/sie in ein kollegiales Weiterbildungs- und Kontrollsystem eingebunden ist.
Solisten, lonely cowboys und Stars können auf Dauer keine guten BeraterInnen sein, weil dann Bewunderung die nötige Reflexivität ersetzt. Kollegiale Vernetzung ist unverzichtbar (professional community).

5. Wenn er/sie ein gewisses Maß an Grunderfahrungen mit der Lebenswelt seiner Klient/inn/en mitbringt.
Der alltägliche Lebens- und Arbeitsstress enthält Faktoren, die nicht speziell "psychisch" sind, z.B. "Radldienst, familiäre Pflegeaufgaben, Sorge um den Arbeitsplatz etc. Solche Faktoren muss ein/e gut/r Berater/in kennen und respektieren (Feldkompetenz, Genderkompetenz).

6. Wenn der/die Berater/in in ihrer Professionalität und die Rahmenbedingungen der Beratung für die KlientInnen transparent sind.

7. Wenn Grenzziehungen erlebt werden.
Beratung kann und soll nicht alle Fragen und Probleme lösen, BeraterInnen haben nur begrenzte Fähigkeiten und Fertigkeiten.Es ist eben nicht "alles möglich", das muss rechtzeitig deutlich werden, auch wenn manche KlientInnen gerne eine umfassende Lebenshilfe hätten.

8. Wenn bei dem Berater/in die Fähigkeit erkennbar ist, mit Kritik und Misserfolg umgehen zu können.

Reichel, R. (2016). Seriosität in der Beratung. In Bitzer- Gavornik , G. (Hrsg.), Lebens- und Sozialberatung in Österreich (4. Auflage, S.39f.), Wien: facultas.